13. Februar 2014

Ingpuls GmbH – High Tech aus Bochum

Ingpuls LogoDas Bochumer Start-up Ingpuls, Spin-off der Ruhr- Uni Bochum beeindruckt durch eine herausragende Technologie im Bereich der Werkstofftechnik. Die von Ingpuls entwickelte „Formgedächtnislegierung“ hat zahlreiche Anwendungsfelder. „Produkte werden auf diese Weise kleiner, leichter und wirtschaftlicher“, so heißt es auf der Internetseite von Ingpuls.

Ruhrpott Start-ups sprach mit Christian Großmann einem der Gründer und gleichzeitig Geschäftsführer der Ingpuls GmbH über Technologien, Innovationen, die Ziele von Ingpuls aber auch über das Ruhrgebiet als Gründerregion.

Ruhrpott Start-ups: Hallo Christian stell doch mal kurz Eure Firma Ingpuls vor!

Grossmann-1Christian Großmann: Ingpuls ist ein Technologie-Start-Up und befasst sich mit Formgedächtnislegierungen, kurz FGL. FGL sind metallische Werkstoffe, die sich nach einer Verformung wieder an Ihre alte Gestalt „erinnern“ können. Durch unsere Forschungsarbeiten an der Ruhr-Universität in Bochum haben wir Gründer uns über viele Jahre mit diesen speziellen Werkstoffen befasst. Heute stellen wir kundenspezifische Halbzeuge und Komponenten her und entwickeln überdies Produkte und Systeme, in denen FGL für besondere Eigenschaften verantwortlich sind. Wenn man FGL richtig einsetzt, können Produkte dadurch kleiner, leichter, günstiger und wesentlich energieeffizienter werden. FGL werden zukünftig viele konventionelle Stellsysteme wie Servomotoren, Hubmagnete, Dehnstoffelemente oder Voice Coils ablösen. Mögliche Anwendungen finden sich im Automobil, Hausgeräten aber auch Smartphones und Tablets. Die Marktvolumen liegen damit deutlich im zweistelligen Mrd.-Bereich.

Ruhrpott Start-ups: Was genau macht Ingpuls eigentlich so einzigartig und innovativ?

Christian Großmann: Wir wissen wie FGL herstellt werden und wie man damit innovative Produkte entwickelt. Am Markt und bei unseren potentiellen Konkurrenten findet man entweder das eine oder das andere. Es gibt nur wenige Firmen, die sich mit der Technologie wirklich im Detail auseinandersetzen. Wir beobachten daher sehr häufig, dass Entwickler daran scheitern das Sie nicht in der Lage sind, die Feinheiten von FGL zu berücksichtigen. Wir haben uns durch Werkstoffkompetenz einen Vorsprung erarbeitet, den wir durch intensive Forschung stets ausbauen wollen.

In den letzten Jahren haben uns als Dienstleister in den unterschiedlichsten Branchen ein großes Portfolio an zusätzlichen Kompetenzen erworben, die uns bei der Gründung im Jahre 2009 noch nicht zur Verfügung standen. Der Kunde hat heute bei uns den Vorteil, dass wir nicht irgendein Standard-Material verwenden, was ihm von den wenigen Herstellern angeboten wird. Wenn es für das Produkt und dessen Eigenschaften erforderlich ist sogar den Werkstoff zu modifizieren, dann machen wir das – weil wir es können. Die Produktentwicklung geht durch Werkstoffdesign bei Ingpuls damit noch einen Schritt weiter als anderswo.

Ruhrpott Start-ups: Wie seid Ihr darauf gekommen Euch mit Ingpuls selbständig zu machen?

Christian Großmann: Das Gründerteam bestand die ersten sechs Monate aus vier, dann nur noch aus drei ehemaligen Promotionsstudenten. Wir haben uns bereits zu Beginn unseres Studiums 2002 kennengelernt und anschließend in einer Lerngruppe bis zum Ende des Studiums und anschließend in der Promotion zusammenarbeitet. Im Studium sind wir früh auf FGL gestoßen und davon nicht mehr losgekommen. Die Werkstoffe mit Ihren Eigenschaften und unglaublichen technischen Möglichkeiten haben uns damals derart fasziniert. Nach einigen Erfahrungen als Praktikanten in großen Unternehmen hatten wir uns alle unabhängig voneinander entschieden, dass Selbstständigkeit eine Option für unsere Zukunft sein könnte. Also haben wir uns 2008 zusammengesetzt und überlegt, was wir alles können und was von dem sich am Markt anbieten lassen könnte. So entworfen wir unser erstes Portfolio. Anschließend erstellten wir einen Businessplan und waren in mehreren Wettbewerben damit auch erfolgreich. Durch eine zufällige Begegnung kamen wir an den ersten Kunden und damit war Ingpuls geboren.

Ruhrpott Start-ups: Als Spin-off aus der RUB hattet Ihr vor Gründung der Ingpuls ja nicht ganz soviel Berufserfahrung. War das beim Start des Unternehmens problematisch?

Christian Großmann: In der Tat war das ein wichtiger Punkt, den wir 2008 intensiv diskutiert hatten. Die Identifizierung der Schwächen ist wohl die schwierigste aber ebenfalls bedeutendste Aufgabe vor der Gründung. Selbstbewusste und ehrgeizige junge Menschen neigen tendenziell dazu eher die positiven Seiten an sich zu erkennen. Wir mussten uns kritisch reflektieren und konnten auch einige wichtige Aspekte identifizieren. Im Prinzip war das der erste Meilenstein. Nachdem das Problem erkannt war haben wir uns Berater aus unserem näheren und überwiegend privaten Umfeld herangezogen. So könnten wir Schwächen durch professionelle Hilfe ausmerzen und gleichzeitig unsere Liquidität zu Beginn schonen. Der Rest ergibt sich dann, wenn man am Markt aktiv ist. Learning by doing – und immer an den Besten orientieren.

Ruhrpott-Start-ups: Wie soll es weiter gehen mit Ingpuls? Was sind Eure Ziele und wo wollt Ihr in 2 bis 3 Jahren stehen?

Christian Großmann: Wir sind derzeit im Begriff die Start-Up Phase zu verlassen. In den letzten Jahren haben wir einige, teils spektakuläre Produkte aber auch sehr spezielle Legierungen und Verfahren entwickelt. Auch konnten wir unseren Bekanntheitsgrad stark erhöhen. Wenn jemand in Deutschland mit FGL arbeitet kommt er an Bochum und Ingpuls nur schwer vorbei. Unternehmen aus dem Ausland nehmen uns ebenfalls allmählich zur Kenntnis, ohne das wir hier spezielle Marketingkampagnen oder -maßnahmen durchführen. Nach dem Proof-of-concept ist für uns nun der Zeitpunkt gekommen das Wachstum durch externes Kapital anzukurbeln. Wir wollen in den kommenden Monaten die Verhandlungen mit finanzstarken Investoren zum Abschluss bringen und bei uns in Bochum die FGL-Serienproduktion aufbauen. Parallel wollen wir durch eigene Patente und die Entwicklung standardisierter FGL-Systeme die Basis für unser zukünftiges Wachstum weiter stärken.

Ruhrpott Start-ups: Was sind Eure Tipps für Neugründer und Leute die Vorhaben sich selbständig zu machen?

Christian Großmann: Der Gründer sollte in seinem Arbeitsfeld ein ausgewiesener Experte sein, um Ernst genommen zu werden und Erfahrungsdefizite im Business ausgleichen zu können. Er sollte sich ferner sehr gut auf die Märkte und Kunden vorbereiten und auch seine Wettbewerber mit deren Stärken und Schwächen kennen. Vom Charakter her braucht man eine enorme Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen, um auch mal Phasen durchzustehen, in denen es nicht so gut läuft. Das ist völlig normal und gehört zum Gründen einfach dazu. Niemals aufstecken und mutig Entscheidungen treffen. Fehlentscheidungen passieren zwangsläufig und dürfen dann aber wieder korrigiert werden.

Ruhrpott Start-ups: Das Ruhrgebiet gilt in der Öffentlichkeit nicht gerade als „Hochburg“ der deutschen Start-up Szene, woran liegt das Deiner Meinung nach? Was kann man tun um das Ruhrgebiet als Start-up Region bekannter zu machen?

Christian Großmann: Ich kann es ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen. Es scheint wohl eine Kopfsache zu sein. Vielleicht bekommen Gründer hier zu viel Gegenwind und beenden ihr Vorhaben, bevor es eigentlich begonnen hat. Viele unterschätzen, die Vorteile kleiner Unternehmen und erkennen ihr Marktpotential nicht richtig. Gründen ist einfach noch nicht üblich hier im Ruhrgebiet. Im Prinzip sind die Rahmenbedingungen dafür aber nicht schlechter als anderswo. Wir haben in der Region Gründungswettbewerbe und Initiativen. Auch die Verantwortlichen bei den IHK’s, den Wirtschaftsförderungen und den Städten erkennen, dass man sich nicht mehr auf Firmen wir Nokia oder Opel als Arbeitgeber verlassen kann/konnte. Ein Umdenken muss aber auch in den Köpfen der pot. Gründer stattfinden. Noch spüre ich nicht wirklich den Willen in der Region, dass junge Leute mit Ihren zweifelsohne hervorragenden Fähigkeiten bereit sind vorneweg zu marschieren. Noch scheint es, als dass die meisten in großen Konzernen sichere Jobs vermuten, was de facto aber nicht mehr so ist. Selbstvertrauen stärken und zur Selbstständigkeit ermutigen, dass ist meines Erachtens wichtig. Dann müssen wir nicht mehr nach Aachen oder Süddeutschland schauen und uns tolle Gründerstories vor dort anhören. Bei unserer Hochschullandschaft ist hier ausreichend Potential für jede Menge Technologie- und IT-Firmen sowie vielen anderen vielversprechenden Geschäftsmodellen.

Ruhrpott Start-ups: Lieber Christian, vielen Dank für das Interview.

Weitere Informationen zur Ingpuls GmbH findet Ihr unter www.ingpuls.de

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